Optionsschein (Börsenbriefe verwenden meistens nur noch die Begriffe Call oder Put)

Mit einem Optionsschein (auch Warrant genannt) kann ein Anleger gehebelt auf einen bestimmten Basiswert (Underlying) spekulieren. Unabdingbare Bestandteile eines Optionsscheins sind Laufzeit, Basiswert, Basispreis und Bezugsverhältnis sowie die Angabe, ob es sich um einen Kauf- (Call) oder Verkaufs- (Put) Optionsschein handelt. Genau wie bei einer Option besitzt der Käufer bzw. Inhaber eines Optionsscheins das Recht innerhalb der Laufzeit den Basiswert zum Basispreis im festgelegten Bezugsverhältnis zu kaufen (bei Call) bzw. zu verkaufen (bei Put). Der Emittent (also Verkäufer und somit Stillhalter) eines Optionsscheins ist meistens ein Finanzinstitut. Da man mit einem Optionsschein nur das Recht handelt, einen Basiswert zu erwerben (Call) oder zu verkaufen (Put), spekuliert man mit Hebelwirkung auf eine Kursveränderung des Basiswertes.

Beispiel:  Der Börsenbrief HAACK-DAILY empfiehlt einen Kaufoptionsschein auf Daimler mit Laufzeit 18.12.2012, Emittent Commerzbank, Bezugsverhältnis 1 zu 0,1, Basispreis 50 Euro, WKN CM761R,  Kurs 21.02.2011: 0,87 Euro. Kurs Daimler 52,60 Euro. Je 10 Scheine berechtigen zum Kauf einer Daimler-Aktie zu 50 Euro.  Notiert Daimler am Ende der Laufzeit bei 55 Euro, so wird  der Schein dann 0,50 Euro kosten, da man mit 10 Scheinen die Aktie zu 50 Euro anstatt 55 Euro kaufen könnte. Diese Differenz nennt man inneren Wert.  Bei vielen Optionsscheinen, die im Börsenbrief empfohlen werden, wird nicht mehr die Lieferung der Aktie in den Bedingungen festgelegt, sondern Differenzausgleich, also die Zahlung des inneren Wertes. Auf den Preis des Optionsscheins hat das keine Auswirkung. Notiert die Aktie unter dem Bezugspreis, dann weist der Schein keinen inneren Wert auf, würde also am Fälligkeitstag wertlos verfallen. Vor der Fälligkeit weist der Schein aber noch eine Restlaufzeit auf, so dass abhängig vom Kurs und der Volatilität des Basiswertes sowie der Höhe Restlaufzeit eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Aktie am Fälligkeitstag über dem Basispreis notiert.  Deshalb wird sich dann am Markt ein Aufgeld des Scheines bilden und auch ohne inneren Wert höher als 0 Euro notieren. Im obigen Börsenbrief-Beispiel beträgt der innere Wert des Optionsscheins 0,26 Euro (Kurs Aktie – Basispreis x Bezugsverhältnis = 52,60 minus 50,00 mal 0,1). Die Differenz zum Kurs des Scheins ist das aktuelle Aufgeld. Das Aufgeld baut sich bis zum Fälligkeitstag langsam ab (zum Ende hin schneller) und beträgt zur Fälligkeit 0.

Beispiel für einen Verkaufsoptionsschein: Der Börsenbrief HAACK-DAILY empfiehlt einen Put-Optionsschein auf Siemens mit Laufzeit 18.12.2012, Emittent Citi, Bezugsverhältnis 1:0,1, Basispreis 80 Euro, WKN CG0S7U, Kurs 21.02.2011: 0,66 Euro, Kurs Siemens 98,00 Euro. Je 10 Scheine berechtigen zum Verkauf einer Siemens-Aktie zu 80 Euro. Notiert Siemens bei Fälligkeit über 80 Euro, ist der Schein wertlos, notiert sie dann bei 79 Euro, wird der Schein 0,10 Euro wert sein (Basispreis - Kurs Aktie x Bezugsverhältnis = 80 minus 79 x 0,1). Aktuell hat der Schein keinen inneren Wert (da Siemens über 80 Euro notiert) und besteht nur aus Aufgeld.

Bei Börsenbriefempfehlungen zu Optionsscheinen wird also v.a. die Fantasie gehandelt. Je stärker eine Aktie schwankt, desto größer ist die Fantasie und desto relativ teurer sind Optionsscheine auf diese Aktie. Um dann per Fälligkeit einen Gewinn zu erzielen, muss die Aktie noch stärker steigen bzw. fallen als dies schon in den Optionsscheinkursen eingepreist ist. Verkaufs- (Put-)Optionsscheine können neben der Spekulation auf fallenden Kurse auch als Absicherung von bestehenden anderen Börsenbrief-Positionen genutzt werden.

Im Positionstrading des Derivate-Börsenbriefs "HAACK-DAILY" werden aktuell nur selten Optionsscheine empfohlen. Meist greift der Börsenbrief-Autor Hans-Jürgen Haack auf Hebelprodukte zurück, da diese nicht die Problematik des Aufgeld-Verfalls aufweisen. Der Börsenbrief empfiehlt im Daytrading nie Optionsscheine, weil die eher kleine Kursstrecke damit kaum sinnvoll genutzt werden kann.

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