Charttechnik

Die Charttechnik kann erfolgreich angewendet werden, aber m.E. kaum mehr in ihrer klassischen Form. Anders als vor 15 oder 20 Jahren wenden heute schätzungsweise mindestens 70 bis 80 % der Marktteilnehmer im Trading Chartanalyse an. Damals haben maximal 10-20 % der Marktteilnehmer die Charttechnik genutzt. Seinerzeit haben die Profis viel mehr mit Informationsvorsprung gearbeitet. Heutzutage sind aber fast alle Informationen sehr schnell über das Internet für jeden verfügbar. Also stützt man sich auf andere Dinge – u.a. auch auf Charttechnik. Heute ist Charttechnik fast schon ein Muss. Einschätzungen für Aktien werden aufgrund von fundamentalen Dingen vorgenommen, der Einstieg aber auf Basis der Charttechnik gesteuert. Wenn aber die Masse der Marktteilnehmer mit gleichen Werkzeugen arbeitet, können diese nur schwerlich funktionieren, dann führt das eben oft zu Fehlsignalen.

 

Ein gutes Beispiel ist eine offensichtliche Kopf-Schulter-Formation, die auch in den Medien thematisiert wird. Diese Formation ist ein Verkaufs-Signal. Entscheidend ist, dass die meisten Anleger diese Formation sehen und ihr eine große Relevanz geben. Diese charttechnisch orientierten Trader handeln mehrheitlich danach und gehen short. Folge: Diese kurzfristigen Marktteilnehmer sind fast alle auf der gleichen Marktseite engagiert. Kommen jetzt aber keine weiteren Verkäufe von anderen z.B. längerfristig orientierten Marktteilnehmern, fallen die Kurse nicht mehr weiter. Die ersten Kurzfristtrader steigen bei nachlassender Abwärtsdynamik aus den Short-Positionen aus, immer mehr folgen, die Kurse drehen und es entsteht ein Fehlsignal. Oft führt das dann in der Folge zu einer umso stärkeren Bewegung in die Gegenrichtung, weil dann kaum jemand in diese Richtung engagiert ist. Es ist also chancenreich, nach Fehlsignalen Ausschau zu halten, um dann in die Gegenrichtung spekulieren, wenn klar ist, dass das Signal zum Fehlsignal geworden ist.

 

Achten Sie also auf Fehlsignale und seien Sie sehr wachsam, wenn Formationen in den Medien stark diskutiert werden, aber keine nachhaltige Dynamik entsteht. Schauen Sie, wo Trendlinien gebrochen und anschließend wieder zurückerobert werden. Natürlich gibt es aber auch Ausbrüche oder Formationen, die funktionieren. Wenn Sie dann aber genau hinsehen, werden Sie feststellen, dass meistens eine bestimmte Stimmung vorherrscht, also eine gewisse Skepsis bezüglich der eingeschlagenen Richtung.

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